Wie bereits geschrieben, habe ich mich gestern Abend wieder mit meiner Familie virtuell getroffen.
Zum Ende hin haben sich meine Schwester und ich dann noch etwas näher über meine Psyche unterhalten und das altbekannte Motivations- und Zeitmanagement-Problem.
Drei »erfreuliche« Erkenntnisse:
Sie kennt auch genauso z.B. unter der Woche das Phänomen, dass sie sich tagsüber bzw. auf dem Heimweg noch super motiviert fühlt, was zu tun – aber sobald sie zuhause ist, wechselt sie in den Schlafanzug-Chill-Modus.
Die beste Motivation, um aufzuräumen? Ist bei ihr ebenfalls, sich Besuch einzuladen. Nur gerade wegen Covid-19 schwierig.
Mit den von vielen so gelobten To-Do-Listen kann sie auch herzlich wenig anfangen.
Auch wenn ich in den so genannten sozialen Medien nicht angemeldet bin, verfolge ich diese unregelmäßig. Insbesondere bei manchen Fernsehsendungen schaue ich parallel dazu immer mal wieder, was bei Twitter dazu kommentiert wird.
Aufgrund dessen schau ich auch sonst gerne mal, was allgemein an Hashtags und Wörtern so »trendet«. Und manchmal juckt es mich schon in den Fingern, insbesondere hetzerische bzw. diskriminierende Beiträge nicht unkommentiert zu lassen.
So dachte ich, ich registriere mich vielleicht mal wieder dort.
Allerdings nicht wie damals als Schokokäse oder unter einem anderen bereits bekannten Namen. Wenn ich schon meinem Prinzip untreu werde und mich einem Walled Garden zuwende, dann bitte »undercover«.
So saß ich heute Abend da und hab recht lange über mögliche Nutzernamen gegrübelt. Nach der Registrierung (natürlich per E‑Mail-Adresse, nicht unter Angabe einer Telefonnummer) hab ich ein passendes Profilbild hochgeladen und war dann erstmal auf anderen Seiten unterwegs.
Als ich dann wieder zum Twitter-Tab zurückgekehrt bin, sprang mir eine Seite entgegen, die mich dazu aufforderte, meine Handynummer anzugeben. Und das konnte ich nicht überspringen.
In der dort verlinkten Hilfe fand ich folgende Info:
Your account is locked and we need to confirm you are the valid owner
If your account appears to have exhibited automated behavior that violates the Twitter Rules, we may lock it and request that you confirm you are the valid owner of the account.
Was der Fick?! Wie kommen die auf diesen Verdacht? Ich vermute, deren Automatismen haben angeschlagen, weil meine Werbeblocker (sowohl als Browser-Plugin als auch als Hardware-Lösung für mein eigenes Zuhause-Netzwerk) hierzu benötigte Ressourcen geblockt haben.
Aber meine Handynummer bekommen die nicht. Das ist doch auch nur eine fadenscheinige Begründung, um an die Telefonnummer zu kommen, die wesentlich besser als eindeutiges Merkmal genutzt werden kann als eine E‑Mail-Adresse. Denn viele haben mehr verschiedene E‑Mail-Adressen als verschiedene Mobilnummern. Und bei der Registrierung hat denen ja auch meine E‑Mail-Adresse gereicht, um mir einen Verifizierungscode zusenden zu können.
Und wieder ein Abend vorbei für nichts und wieder nichts …
Am Wochenende habe ich endlich das Verfahren zum vor einiger Zeit angeforderten Registrierungsset durchgeführt und heute bei der Post eingeworfen. Mal sehen, ob und wie schnell ich eventuell von denen höre.
Klar, wir Deutschen haben mit rund einem Zehntel der Bevölkerung (8.5 Millionen) bereits viele registrierte Spender. Aber leider fehlt eben immer noch viel zu oft das passende Gegenstück bei manchen Patient*innen.
Nachdem ich von einem Freund erfuhr, dass bei der Knochenmarkspende nicht dieselben Ausschlussregeln wie für die Blutspende gelten, habe ich bei meiner Recherche gesehen, dass männliche Nicht-Heten (bzw. MSM) tatsächlich nicht von der Knochenmarkspende ausgeschlossen sind 🙂
Bis zur eigentlichen Anforderung des Registrierungssets hat es dann aber auch noch eine Zeit gedauert – und das lag dann hier jetzt auch noch wieder erst was rum.
Und nein, die Spende ist nicht immer mit einer Operation verbunden. Lediglich bei rund 20% der Fälle ist eine OP nötig. Ob mensch sich darauf einlassen möchte, kann jede*r Spender*in dann aber immer noch entscheiden.
Für sein »Die Rende is sischa« wurde er oft belächelt.
Aber das, was ich von Norbert Blüm (aufgrund meines eigenen Alters vor allem in der Nach-Politiker-Zeit) mitbekommen habe, war eine Person, die Klartext sprach, mit Haltung und auf Augenhöhe mit dem Otto Normalo. Und als CDU-Politiker mit einem erstaunlich deutlichen Blick für das Soziale.
»Solidarität ist die politische Form der Nächstenliebe.«
»Solidarität ist kein Luxus, sondern Existenzbedingung des menschlichen Lebens.«
»Wir retten Banken, dazu ist Europa fähig, und lassen Menschen absaufen. Das ist ein Programm des humanen Irrsinns.«
»Wenn einer am Ertrinken ist, können Sie auch nicht lange diskutieren, ob sie ihn mit dem Schlauch- oder Motorboot retten.«
»Der gesunde Menschenverstand hat in der professionellen Gesellschaft keinen Stellenwert mehr.«
»Wer in die Politik geht, um beliebt zu sein, der hat den Beruf verfehlt.«
»Mitunter geht man mit unter.«
»Wenn der Abstand zwischen Reich und Arm so bleibt, wie er jetzt ist, gibt es keinen Frieden auf der Welt.«
»Hütet euch vor den Politikern, die auf jede Frage eine Antwort wissen.«
Norbert Blüm vor vier Jahren (mit 80 Jahren!) im griechischen Geflüchtetenlager Idomeni:
»Wenn 500 Millionen Europäer keine fünf Millionen oder mehr verzweifelte Flüchtlinge aufnehmen können, dann schließen wir am besten den Laden Europa wegen moralischer Insolvenz.«
Gerade in der aktuellen Zeit zeigt sich neben vielen negativen Aspekten auch, dass Menschen – wenn auch nicht körperlich, dann zumindest gefühlt – näher zusammenrücken und sich mit schönen Aktionen gegenseitig unterstützen. Und gerade das ist es, was das Soziale ausmacht.
Daher ist »Social Distancing« fehl am Platz:
Genauso rasant wie das Corona-Virus in Europa verbreitet sich der Begriff „social distancing“ in den Medien. […]
Treffender hieße es „spacial/physical/bodily oder public distancing“. Denn um Ansteckungen zu verhindern, empfiehlt sich räumliche, physische oder körperliche Distanz. Es geht um Kontakt-Reduktion, um Körper-Abstände, physische Kontakte, das Meiden von Versammlungen. Es geht nicht um eine Reduktion von Beziehungen oder sozialen Interaktionen. Das ist in einer digitalen Welt nicht mehr nötig.
[…]
Die Gleichsetzung von Nähe und Sozialem führt bei einer Reduktion des einen zu einer Reduktion des anderen. Eben weil sich Menschen an Wörtern orientieren. […]
Armin Laschet sagte in seiner drängenden Ansprache an die Bevölkerung am Freitag:
„Alle sozialen Kontakte werden in der nächsten Zeit ruhen müssen.“
Ich möchte antworten: Nein, müssen sie nicht. Telefoniert, schreibt Euch Mails und Nachrichten, macht Videoanrufe. Bleibt zusammen. Und bleibt freundlich, wenn ihr auf Abstand geht. Oder wie die dänische Ministerpräsidentin am selben Tag sagte:
„Jetzt müssen wir zusammenstehen, indem wir Abstand halten.“
Das ist in der digitalen Welt leichter als je zuvor.
An diesen Beitrag vom 13.3. erinnert hatte mich der letzte Tage veröffentlichte »Living the Future«-Blogbeitrag:
Isolation. Ein Konzept, das ich kenne
Im Moment kommen wieder Medienanfragen, vor allem zu meinem Erleben des „physical distancing“ und wie ich es als Mensch mit Depression und Angststörung erlebe.